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Kategorie: Das Wesen der Sprache 2

Zweite Auflage

31. Abstraktion und Traum

Dem Spiel des Lichts auf unzäh­li­gen Wassertropfen glei­chen die Ideenassoziationen im wachen Zustande wie die im Traume. Im Traume wie im Wachen springt unsere Phantasie von einem Lichtpunkte zum ande­ren und baut die luftige Brücke des Regenbogens auf golde­nen Schüsselchen, die nirgendwo stehen.” Die Sprache ist also die Hauptquelle aller…

32. Wortbildung

Es ist endlich Zeit, daß die Menschheit ihre Sprache, d.h. ihr Gedächtnis entfe­ti­sche, nach­dem sie durch unge­zählte Jahrtausende Abstraktionen oder Fetische gehäuft, und ihren Müllkasten die Schatzkammer ihres Geistes genannt hat.” Der gelehrte Logiker unter­schei­det gern das laien­hafte natür­li­che Denken vom eigent­li­chen, vom bewuß­ten Denken. Für mich ist auch Selbstbewußtsein…

33. Das Vergessen

Das Vergessen ist in der Wirklichkeit, kann also keine bloße Negation sein. Daß es eine Tätigkeit ist, wird uns bewußt, wenn wir etwas verges­sen wollen und uns die Ausführung unse­rer Absicht mühe­voll oder unmög­lich wird.” Was wir also recht mensch­lich den Grundfehler des Gedächtnisses genannt haben, das ist sein Wesen.…

34. Aufmerksamkeit und Logik

Alle Erkenntnistheorie ist zuletzt Psychologie, und an eine wissen­schaft­li­che Psychologie ist nicht zu denken, solange die psycho­lo­gi­schen Grundbegriffe unklar und undeut­lich im Sprachgebrauche schwan­ken.” Es wäre nun ganz hübsch, den schwie­ri­gen Begriff des Bewußtseins zu elimi­nie­ren und das Bewußtsein in die beiden Zustände oder Tätigkeiten der Aufmerksamkeit und des Gedächtnisses…

35. Wahnsinn

Das philo­so­phi­sche Genie muß sich selbst über die Achsel sehen können beim Denken, muß sich ein Übergedächtnis, eine Übersprache anschaf­fen, es muß die Neubildung zu seinem Alltagsorgan machen. Das muß ein fester Kopf sein, der dies aushält.” Denken oder Sprechen ist für uns die Übung oder Fähigkeit, die Zeichen für…

36. Bewusstsein und Sprache

Das Selbstbewußtsein ist die Kulisse, hinter der die Schauspieler und Statisten schla­fen, gähnen, essen oder plap­pern, um auf ein Stichwort einzeln vorzu­tre­ten, sowie der Souffleur oder Inspizient oder die Assoziation es befiehlt.” Meine Lehre oder Behauptung, daß — um es dies­mal sprach­lich auszu­drü­cken, soweit es geht — die Worte: Seele,…

37. Verstand und Vernunft

Das Selbstbewußtsein ist die Kulisse, hinter der die Schauspieler und Statisten schla­fen, gähnen, essen oder plap­pern, um auf ein Stichwort einzeln vorzu­tre­ten, sowie der Souffleur oder Inspizient oder die Assoziation es befiehlt.” Indem LIPPERT GEIGERs Einfall, daß die mensch­li­che Sprache die Ursache der mensch­li­chen Vernunft sei, aufnimmt und gut heißt,…

38. Ichgefühl

Das Ichgefühl ist eine Täuschung, ist die Täuschung der Täuschungen. Ist aber das Ichgefühl, ist die Individualität eine Lebenstäuschung, dann bebt der Boden, auf welchem wir stehen, und die letzte Hoffnung auf eine Spur von Welterkenntnis bricht zusam­men.” Es ist bekannt, daß Kinder verhält­nis­mä­ßig spät zum rich­ti­gen Gebrauch des Wortes…

39. Erkenntnisse und Wirklichkeit

Nicht ein Traum ist unsere Lehre, sondern die wache Besinnung darüber, daß wir an der Wirklichkeitswelt zwei­feln müssen, daß sogar ganz gewiß das Wort Wirklichkeit ein Bild für die Ursache der Sinnesempfindungen ist.” Die Unerkennbarkeit des Subjekts des Ichs ist schon im Upanishad abgrün­dig ausge­spro­chen (nach DEUSSEN): “Nicht sehen kannst…